Der britische FTSE 100 notiert unterhalb seines Rekordhochs von 2018, Wohnimmobilien weltweit verzeichnen einen nie dagewesenen Aufschwung, und Cybersecurity ist ein wichtiges Thema auf der heute beginnenden DEFCON in Las Vegas.
Britische Aktien nur temporär gebremst
Der britische FTSE 100 liegt noch rund zehn Prozent unterhalb seines Rekordhochs von 2018, während zahlreiche europäische Leitindizes derzeit in der Nähe ihrer Höchststände notieren. Dabei ist der Brexit mehr oder weniger gesittet über die Bühne gegangen und die britische Wirtschaft erholt sich dynamisch von den Pandemieauswirkungen. Zudem liegen die Gewinnprognosen für die kommenden zwölf Monate inzwischen nur noch drei Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau. Verantwortlich für das schwache Abschneiden ist unter anderem die hohe Gewichtung von Finanz- und Substanzwerten, die Anleger in den vergangenen Monaten vor dem Hintergrund fallender Renditen gemieden haben. Ich denke jedoch, dass der FTSE 100 im Jahresverlauf wieder Boden gutmachen wird. Insbesondere Rohstoff- und Finanzunternehmen haben zuletzt hohe Ausschüttungen angekündigt, die Dividendenanleger auf den Plan rufen dürften.
Zudem wird der FTSE 100 inzwischen um 24 Prozent günstiger gehandelt als der EURO STOXX 50. In der Vergangenheit haben sich ähnlich große Bewertungsscheren stets geschlossen.
Bemerkenswerter Boom bei Wohnimmobilien
Noch nie war bei Wohnimmobilien weltweit ein ähnlich breiter Aufschwung zu beobachten – in fast allen größeren Ländern boomt der Markt. Im Juni legten die Verkaufspreise in Neuseeland im Vorjahresvergleich um 29 Prozent, in Kanada und in den USA um rund 25 Prozent zu. In vielen europäischen Ländern befinden sich die Preiszuwächse zumindest im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Infolge der gestiegenen Preise erhöht sich das Angebot an neuen Wohnimmobilien; in Australien, Neuseeland und Kanada liegen die Wohnungsbauinvestitionen bereits auf Rekordniveau. In vielen Ländern setzen Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft, eine mangelnde Verfügbarkeit von Bauland oder langwierige Genehmigungsverfahren einer schnellen Angebotsausweitung aber Grenzen. Da Wohnimmobilien dank eines anhaltend niedrigen Zinsniveaus finanzierbar bleiben, dürfte die Nachfrage im Verhältnis zum Angebot meines Erachtens hoch bleiben und vielerorts für weitere Preisanstiege sorgen.
Cybersecurity im Fokus
Auf der zurzeit in Las Vegas tagenden Black-Hat-Konferenz und der heute beginnenden DEFCON bringen sich Behörden und Sicherheitsunternehmen auf den neusten Stand der Cyber-Bedrohungsszenarien. Die beschleunigte Digitalisierung bringt eine sich ändernde Gefahrenlage mit sich. Neben Datendiebstahl sind verstärkt Betriebsunterbrechungen in vernetzten Umgebungen zu beobachten. Die auf Cybercrime zurückzuführenden Kosten werden für 2020 global auf etwa eine Billion US-Dollar geschätzt – ein Plus von 50 Prozent innerhalb von zwei Jahren. Die US-Regierung hat für nächstes Jahr ein um 14 Prozent höheres Budget für Cybersicherheit im nicht militärischen Bereich in Höhe von knapp zehn Milliarden US-Dollar vorgesehen. Im privaten Bereich wird bei Investitionen in Sicherheit mit einer jährlichen Wachstumsrate von etwa 8,4 Prozent über die kommenden drei Jahre gerechnet. Diese Investitionen werden vorzugsweise auch hier jenen Anbietern zugutekommen, die Sicherheitslösungen für die Cloud und mit ihr vernetzte Geräte anbieten.
Berichtssaison Australien: Grundstoffsektor treibt die Prognosen
In Australien legen die Unternehmen derzeit ihre Geschäftsergebnisse zum Ende Juni abgelaufenen Fiskaljahr vor. Nachdem die Analysten in den vergangenen Monaten untypischer weise ihre Prognosen weiter angehoben haben, erwarten sie nun ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Grundstoffsektor allein soll allerdings 70 Prozent des Anstiegs beisteuern. Den Markt dürfte insbesondere bewegen, wie sich die Unternehmen zur Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Down Under äußern. Der aktuelle Lockdown trifft die Wirtschaft empfindlich. Für den Fall, dass die Maßnahmen im Bundesstaat New South Wales – dessen Hauptstadt Sydney ist – bis Ende September verlängert werden, rechnen Volkswirte im dritten Quartal mit einem merklichen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um rund anderthalb Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal. Zudem werden auch die Gewinnmargen im Fokus stehen. Denn einige Großkonzerne, die bisher vom ausgelaufenen JobKeeper-Programm profitiert haben, erhalten nun keine staatliche Unterstützung mehr. Vor diesem Hintergrund rate ich aktuell vom Einstieg in australische Aktien ab.
